Als Osteopath bin ich seit mehr als 20 Jahren tätig, führe eine eigene Praxis in Biel und arbeite regelmässig in einem interdisziplinären Zentrum für Neuropädiatrie. Dort begleite ich Kinder und Jugendliche mit einer vielfältigen Palette an neurologischen und entwicklungsbezogenen Symptomen und Erkrankungen.

Anna Luginbühl

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit betrifft Kinder mit Zerebralparese (CP). Bei ihnen können je nach Ausprägung unter anderem Veränderungen des Muskeltonus, Bewegungseinschränkungen, asymmetrische Bewegungsmuster, Spannungen oder Schmerzen auftreten. Diese können den Alltag, die Bewegungsentwicklung und die Teilhabe zusätzlich beeinflussen. Eine individuell abgestimmte und interprofessionelle Begleitung ist deshalb besonders wertvoll.

Was ich an der Arbeit in einem interdisziplinären Umfeld besonders schätze, ist die enge Zusammenarbeit mit den pädiatrischen Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Sie verfolgen einen ganzheitlichen und kindzentrierten Ansatz und verfügen über ein tiefes Verständnis für die motorische und entwicklungsbezogene Situation des Kindes.

Die osteopathische Behandlung kann dabei eine ergänzende Rolle einnehmen. Sie bietet die Möglichkeit, Beschwerden wie Schmerzen, Spannungen oder funktionelle Asymmetrien gezielt und möglichst schonend zu adressieren. Gerade bei Kindern mit neurologischen Erkrankungen geht es für mich nicht darum, die physiotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlung zu ersetzen, sondern diese sinnvoll zu ergänzen und das Kind in seiner individuellen Entwicklung zu unterstützen.

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, wie wertvoll ein solcher Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen sein kann. Durch die unterschiedlichen Perspektiven entsteht ein umfassenderes Bild des Kindes und seiner Bedürfnisse. Physiotherapie, Ergotherapie und Osteopathie bringen jeweils ihre eigenen Kompetenzen und Erfahrungen ein und können sich dadurch gegenseitig ergänzen.

Besonders wichtig ist mir dabei eine gemeinsame, am Kind orientierte Zielsetzung. Nicht die einzelne Therapieform steht im Mittelpunkt, sondern die Frage: Was braucht dieses Kind, um sich möglichst gut zu bewegen, sich wohlzufühlen und aktiv am Alltag teilnehmen zu können?

Wir überweisen uns gegenseitig Patientinnen und Patienten, wenn wir der Meinung sind, dass sie von den jeweiligen Kompetenzen profitieren können. Ein solcher interprofessioneller Austausch schafft Vertrauen und ermöglicht es, die Behandlung aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Für mich ist diese Zusammenarbeit eine grosse Bereicherung. Gerade bei komplexen neurologischen und entwicklungsbezogenen Situationen wie der Zerebralparese zeigt sich, wie wertvoll es sein kann, wenn verschiedene Fachpersonen ihr Wissen miteinander verbinden.

Unsere Berufe sind unterschiedlich – aber genau darin liegt die Stärke der Zusammenarbeit.

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