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Seit wann und warum widmen Sie sich der Osteopathie im sportlichen Bereich und wie wird man Sport Osteopath?

Im Jahr 2010 kam ich erstmals mit der Ausbildung in Sport Osteopathie in Kontakt – konkret mit dem ersten Ausbildungsdurchgang bei Panta Rei in den Niederlanden. Diese Weiterbildung dauerte etwa eineinhalb Jahre. Sie war sehr interessant, interaktiv und damals noch relativ neu. Im Anschluss daran begann ich, einzelne Sportler zu betreuen, unter anderem auch einen Schweizer NHL-Spieler, den ich jeweils im Sommer behandelte, wenn er in die Schweiz zurückkehrte. Im Jahr 2013 lud er mich ein, mit einem Team zusammenzuarbeiten – das war beim Eishockeyclub Kloten.
Nach drei Jahren entschied ich mich, gemeinsam mit einigen Spielern zum SC Bern zu wechseln. Weiter arbeite ich regelmässig mit verschiedenen Eishockey-Mannschaften auf höchstem Niveau zusammen. Dazu gehören unter anderem der SC Bern, die SCL Tigers (Langnau) sowie die Schweizer Nationalmannschaft oder einzelne Spieler des HC Biel und des HC Fribourg. Mit der Schweizer Nationalmannschaft durfte ich bereits mehrfach wertvolle Erfahrungen sammeln und war Teil des Betreuerteams bei vier Weltmeisterschaften, bei denen wir zwei Silbermedaillen gewinnen konnten (in Prag und Stockholm).

Ein weiteres Highlight ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Mailand 2026, bei denen ich die Möglichkeit habe, die Athleten bei Eishockey, Eiskunstlaufen und Schnellläufen ebenfalls osteopathisch zu begleiten. Diese Erfahrungen im Spitzensport ermöglichen es mir, die spezifischen Anforderungen von Leistungssportlern genau zu verstehen und die osteopathische Behandlung optimal auf Training, Wettkampf und Regeneration abzustimmen. Parallel dazu betreute ich in meiner eigenen Praxis in Heimiswil (bis 2020, jetzt Burgdorf) weiterhin verschiedene Sportler aus unterschiedlichen Disziplinen, darunter Schwingen, Leichtathletik, Unihockey, Handball, Tennis, Beachvolleyball und Reitsport.


Was kann die Osteopathie in diesem Bereich? Schlagwort Belastbarkeit, Regenerierung, Prävention, Verletzungen...

Sport Osteopathie – Wirkung auf Leistung und Gesundheit

In meinen langjährigen Erfahrungen in der Sport Osteopathie habe ich festgestellt, dass osteopathische Behandlungen einen bedeutenden Einfluss auf die Belastbarkeit, Regeneration, Prävention sowie die Verletzungsrehabilitation haben.

Belastbarkeit:
Durch osteopathische Techniken kann die Belastbarkeit des Körpers gesteigert werden. Der Körper wird insgesamt ausbalancierter, wodurch er besser mit funktionellen Einschränkungen oder sogenannten Blockaden umgehen kann. Gleichzeitig können solche Blockaden gezielt gelöst werden, was die Leistungsfähigkeit zusätzlich verbessert.

Regeneration:
Die Regeneration nach Training oder Wettkampf wird deutlich unterstützt. Osteopathische Behandlungen wirken auf das Nervensystem, die Zirkulation sowie die Muskulatur und das muskuloskelettale System. Dadurch kann sich das vegetative Nervensystem schneller regulieren und entspannen. Dies fördert eine raschere Erholung und kann helfen, muskuläre Ermüdung sowie Stoffwechselrückstände (z. B. im Zusammenhang mit Muskelkater) effizienter zu verarbeiten.

Prävention:
Ein wichtiger Aspekt der Sport Osteopathie ist die Vorbeugung von Verletzungen. Durch die Verbesserung der Beweglichkeit und das Erkennen von funktionellen Ungleichgewichten (z. B. Beckenschiefstand) können Risikofaktoren frühzeitig reduziert werden. Ziel ist es, potenzielle Überlastungen und daraus entstehende Beschwerden zu vermeiden.

Verletzungsrehabilitation:
Auch in der Rehabilitation zeigt die Sport Osteopathie positive Effekte. Insbesondere bei akuten Behandlungen können oft gute Resultate erzielt werden. Der Körper wird dabei unterstützt, ohne ungünstige Kompensationsmuster zu heilen. Dies ermöglicht häufig einen schnelleren und nachhaltigeren „Return to Sport“, da die funktionellen Bewegungsabläufe frühzeitig wiederhergestellt werden.

Ergänzung: Wettkampfvorbereitung in der Sport Osteopathie
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt zudem in der osteopathischen Begleitung der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Vor einem Wettkampf überprüfe ich gezielt mögliche Bewegungseinschränkungen und funktionelle
Blockaden. Ziel ist es, optimale Voraussetzungen für die sportartspezifische Technik zu schaffen. Durch die Verbesserung der Bewegungsqualität kann die Ausführung effizienter, koordinierter und ökonomischer erfolgen. Gleichzeitig hat die Behandlung auch einen Einfluss auf die mentale Vorbereitung. Über das vegetative Nervensystem kann ein ausgeglichener Spannungszustand unterstützt werden, sodass der Sportler oder die Sportlerin fokussiert und leistungsbereit in den Wettkampf gehen kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die gezielte Abstimmung zwischen Aktivierung und Regeneration. Der Körper wird dabei nicht nur entspannt, sondern auch „wettkampfbereit“ gemacht. Dies bedeutet, dass notwendige Spannungszustände erhalten oder aufgebaut werden, während gleichzeitig störende Einschränkungen reduziert werden.

Ziel der Wettkampfvorbereitung:

  • Optimale Beweglichkeit und Funktion
  • Verbesserte technische Ausführung
  • Mentale Fokussierung und Ausgeglichenheit
  • Ideale Balance zwischen Aktivierung und Regeneration

Diese Kombination ermöglicht es, das vorhandene Leistungspotenzial im Wettkampf bestmöglich
abzurufen.

Fazit:
Sport Osteopathie stellt eine wertvolle Ergänzung in der Betreuung von Sportlerinnen und Sportlern dar, sowohl im Leistungs- als auch im Gesundheitsbereich.


Sie arbeiten vor allem im Spitzensport, mit professionellen Athleten, inwiefern unterscheiden sich deren Anforderungen von jenen im Breitensport?

Vergleich Spitzensport und Breitensport (Fokus Spitzensport)

Die Arbeit im Spitzensport lässt sich gut mit der Betreuung von Hochleistungsfahrzeugen vergleichen. Professionelle Athletinnen und Athleten sind wie „Ferraris“: bis ins Detail optimierte Systeme, die bereits auf einem hohen Niveau trainiert und exakt auf ihre Sportart vorbereitet sind. In diesem Umfeld geht es nicht mehr um grundlegende Veränderungen, sondern um präzises Feintuning. Kleinste funktionelle Einschränkungen, minimale Spannungsunterschiede oder subtile Bewegungsasymmetrien können entscheidend sein – sowohl für die Leistungsfähigkeit als auch für die Verletzungsanfälligkeit.

Im Spitzensport sind die Anforderungen an den Körper enorm: hohe Trainingsintensitäten, kurze Regenerationszeiten und ein konstanter Leistungsdruck. Genau hier setzt die osteopathische Arbeit an. Ziel ist es, die optimale Funktion aller Systeme sicherzustellen – vom Bewegungsapparat über die Zirkulation bis hin zum Nervensystem. Bereits kleinste Korrekturen können dazu beitragen, die Effizienz von Bewegungsabläufen zu verbessern, die Regeneration zu beschleunigen und die Belastbarkeit konstant hochzuhalten. Ein zentraler Aspekt ist dabei auch die unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Der Körper muss nicht nur frei von Einschränkungen sein, sondern sich in einem idealen Spannungszustand befinden – weder überaktiv noch zu entspannt. Dieses feine Gleichgewicht ist entscheidend, damit Athletinnen und Athleten ihr volles Leistungspotenzial im richtigen Moment abrufen können.

Im Vergleich dazu sind die Anforderungen im Breitensport oft breiter gefächert. Dennoch bleibt das Ziel in beiden Bereichen gleich: eine optimale körperliche Voraussetzung zu schaffen, die Leistungsfähigkeit zu fördern und das Verletzungsrisiko nachhaltig zu reduzieren.


Wie wird man Osteopath einer der besten Eishockeymannschaften der Schweiz?

Sport Osteopath im Spitzensport wird man nicht von heute auf morgen. Es ist das Resultat von kontinuierlicher Arbeit, gezielter Vorbereitung und vor allem einer grossen Faszination für den Sport und die Athletinnen und Athleten. Die Sport Osteopathie beginnt dabei nicht erst in der Praxis – sie fängt genau dann an, wenn man die Praxistür hinter sich schliesst und sich aktiv in das sportliche Umfeld begibt. Präsenz vor Ort ist entscheidend: in der Turnhalle, in der Eishalle oder direkt im Trainings- und Wettkampfbetrieb. Der direkte Kontakt zu Sportlern, Trainern und dem Medical Staff bildet die Grundlage für Vertrauen und Zusammenarbeit. Ein wesentlicher Bestandteil ist der interdisziplinäre Austausch. Wenn ein Spitzensportler in der Praxis behandelt wird, gehört es dazu, aktiv den Kontakt mit dem betreuenden Medical Staff zu suchen, Erfahrungen auszutauschen und eine enge Zusammenarbeit aufzubauen. Genau daraus entsteht eine nachhaltige, professionelle Betreuung.

Dabei ist für mich zentral, dass der Athlet immer im Mittelpunkt steht. Eine optimale Betreuung gelingt nur, wenn Physiotherapeuten, Masseure, Ärzte, Teamärzte und weitere Fachpersonen als eingespieltes Team zusammenarbeiten. Offene Kommunikation, gegenseitiger Respekt und ein gemeinsames Ziel sind entscheidend. Ein gut abgestimmtes Netzwerk rund um den Sportler ermöglicht es, verschiedene Kompetenzen zu bündeln, Behandlungen gezielt zu koordinieren und individuell auf die Bedürfnisse einzugehen. So können Leistung optimiert, Regeneration verbessert und Verletzungen bestmöglich verhindert oder behandelt werden.

Neben der fachlichen Kompetenz spielt auch die persönliche Haltung eine wichtige Rolle: Engagement, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, die eigene Begeisterung für den Sport weiterzugeben. Diese Kombination ist entscheidend, um sich im Spitzensport zu etablieren und langfristig Teil eines erfolgreichen Betreuungsteams zu sein.


Wie kann man sich die "Praxis" des Osteopathen des SC Bern vorstellen sei es auswärts oder beim Heimspiel?

Die praktische Tätigkeit als Osteopath innerhalb einer Mannschaft folgt einem klar strukturierten Ablauf rund um Training und Wettkampf. Bei Heimspielen bin ich in der Regel etwa zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn im Stadion. In dieser Phase bereite ich mich darauf vor, die Spieler individuell zu betreuen. Dazu gehören unter anderem spannungsaufbauende Techniken, Massnahmen zur Konzentrations- und mentalen Vorbereitung sowie spezifische Matchvorbereitungstechniken. Gleichzeitig behandle ich kleinere Verspannungen, funktionelle Einschränkungen oder bestehende Beschwerden, damit die Athleten optimal vorbereitet in den Wettkampf starten können.

Neben der direkten therapeutischen Arbeit gehört man auch zum erweiterten Team und unterstützt organisatorisch bei der Wettkampfvorbereitung, beispielsweise beim Einrichten der Spielerbank oder bei weiteren anfallenden Aufgaben im Hintergrund.
Während des Spiels verfolge ich das Geschehen in der Regel von der Tribüne aus. Bei intensiven Spielsituationen wie harten Checks, Kontakten oder möglichen Verletzungen bin ich jederzeit telefonisch erreichbar. Falls notwendig, kann ich unmittelbar in die Garderobe gehen, um den Spieler osteopathisch zu behandeln. Ziel ist es, funktionelle Einschränkungen schnell zu lösen und – wenn medizinisch vertretbar – eine Rückkehr ins Spiel zu ermöglichen.
Nach dem Spiel besteht für die Spieler erneut die Möglichkeit, sich direkt behandeln zu lassen. Akute Beschwerden, Blockaden oder Überlastungsreaktionen können unmittelbar angegangen werden. Dies ist besonders wichtig, da im Spitzensport häufig bereits am nächsten Tag das nächste Spiel oder Training ansteht. Durch diese zeitnahe Betreuung können Regeneration unterstützt und längere verletzungsbedingte Ausfälle reduziert werden.

Nachbereitung nach Wettkämpfen:
Nach dem Wettkampf endet die Betreuung für mich nicht mit dem Verlassen des Spielfelds. Ich plane in der Regel zusätzlich etwa zwei Stunden für die Nachbereitung ein.

Dazu gehört:

  • Individuelle Behandlung von Spielern nach dem Spiel, um akute Beschwerden, Blockaden oder Verspannungen zu lösen.
  • Unterstützung bei der schnellen Regeneration, damit die Athleten bereits für das nächste Training oder den nächsten Wettkampf optimal vorbereitet sind.
  • Debriefing und Austausch mit dem restlichen medizinischen Betreuungsteam, um Beobachtungen, Behandlungsergebnisse und mögliche Anpassungen für kommende Spiele zu besprechen.


Diese Nachbereitung ist entscheidend, um den Spieler langfristig gesund zu halten, Verletzungen vorzubeugen und die Leistungsfähigkeit kontinuierlich zu sichern. Bei Auswärtsspielen verläuft die Betreuung ähnlich wie bei Heimspielen. Ich reise in der Regel entweder mit dem Mannschaftsbus oder individuell zur Eishalle. Vor Ort unterstützen wir beim Aufbau des Medical-Raums und richten uns ein, sodass die Spieler ihre Matchvorbereitung wie gewohnt durchführen können.

Während des Spiels stehe ich – sofern vor Ort – für akute Behandlungen und Unterstützung bereit. Auch nach dem Spiel erfolgt die Nachbetreuung, einschließlich Behandlung akuter Beschwerden, Regeneration und Austausch mit dem medizinischen Team.
Ich bin jedoch nicht bei jedem Auswärtsspiel persönlich anwesend. In diesen Fällen organisiere ich spezielle Termine für die Sportler in meiner Praxis in den folgenden Tagen. Das Physiotherapie-Team, mit dem ich eng zusammenarbeite, informiert mich im Vorfeld per E-Mail oder Telefon über die anstehenden Spieler und deren Anliegen. So kann ich am nächsten Morgen optimal vorbereitet sein, die Praxis entsprechend einrichten und die Termine effizient und reibungslos durchführen.
Dieses Vorgehen gewährleistet, dass der tägliche Praxisablauf nicht gestört wird und die Sportler dennoch eine kontinuierliche, professionelle Betreuung erhalten.


Sind Sie als Osteopath auch noch kurz vor dem Match oder während dem Match aktiv?

Wie bereits beschrieben, bin ich in der Regel etwa zwei Stunden vor dem Wettkampf im Stadion, um die Spieler auf den bevorstehenden Einsatz vorzubereiten. Zusätzlich rechne ich nach dem Spiel noch mit rund zwei Stunden für Nachbehandlungen und das Debriefing mit dem medizinischen Betreuungsteam.
Diese Arbeitszeiten fallen häufig auf Wochenenden oder Abende, wodurch der Alltag stark von den regulären Arbeitszeiten abweicht. Besonders intensiv ist der Einsatz, wenn man mit einem Team wie der Nationalmannschaft unterwegs ist, beispielsweise bei Weltmeisterschaften. In diesen Fällen folgt man einem eigenen Tagesrhythmus: den ganzen Tag ist man mit der Mannschaft zusammen, koordiniert Behandlungen und Betreuung, während kurz vor dem Wettkampf die Interventionen gezielt reduziert werden, um die Spieler nicht zu überlasten, sondern optimal einzustellen.
Nach den Wettkämpfen gibt es oft längere Nachbehandlungen, häufig im Hotel, bei denen neben akuten Problemen auch präventive Massnahmen, gezielte Regenerationstechniken angewendet werden.


Ist nach der Saison vor der Saison? Wie klingt eine Saison osteopathisch aus, und wie wird die folgende Saison vorbereitet?

Nach der Saison verhält es sich im Prinzip wie vor der Saison – die Arbeit endet nie vollständig. Sobald eine besonders intensive Saison abgeschlossen ist, konzentriert sich die Betreuung meist auf Sportler, die weiterhin therapeutische Unterstützung benötigen. Regenerationen und Matchvorbereitungen fallen dann weg, wodurch für die Clubbetreuung und die Spieler eine kleine Pause entsteht.
In meiner Praxis läuft die Betreuung hingegen weiter, auch für andere Sportarten, die in der Sommerzeit aktiv sind, wie Schwingsport, Beachvolleyball oder Leichtathletik. So kann die Praxiszeit sinnvoll genutzt werden, während die Mannschaftspause stattfindet. Sobald der Spielplan für die neue Saison erstellt ist und die Mannschaft zusammengestellt wird, beginne ich wieder vor Ort zu arbeiten – zunächst noch im reduzierten Rahmen im Hintergrund. Mit dem Saisonstart nimmt die intensive Betreuung dann wieder ihren gewohnten Umfang an.


In der Schweiz trägt der Breitensport gut seinen Namen. Die meisten Schweizer treiben mindestens einen Sport und sind auch in Wettbewerben aktiv. Trail, Triathlon, Marathon zum Beispiel sind voll im Trend. Spürt man als Osteopath diesen Trend auch? Wenn ja, in welchen Sportarten und wie?

In meiner Praxis nehme ich wahr, dass vermehrt Breitensportler zu mir kommen. Auffällig ist jedoch, dass sie überwiegend erst bei bestehenden Verletzungen Hilfe suchen und seltener präventiv. Sobald sie einmal mit osteopathischen Techniken in Kontakt gekommen sind, steigt jedoch die Bereitschaft, auch begleitend zur Wettkampfvorbereitung oder -nachbereitung in Therapie zu bleiben.
Auf Kongressen höre ich immer wieder Zahlen, wonach etwa 50 % der Freizeitläufer mindestens eine Verletzung pro Jahr erleiden. Meiner Einschätzung nach wäre ein grosser Teil dieser Verletzungen vermeidbar, wenn Breitensportler besser betreut würden – beispielsweise im Rahmen eines interdisziplinären Teams mit Physiotherapeuten, Trainern oder Osteopathen.
Gleichzeitig beobachte ich einen gewissen Widerspruch: Viele investieren mehrere tausend Franken in hochwertiges Equipment wie Rennvelos oder Carbon-Laufschuhe – oder lassen ihr Pferd osteopathisch behandeln – während sie bei der eigenen körperlichen Betreuung zurückhaltender sind. Ein Grund dafür liegt sicherlich auch in der Kostenübernahme durch die Krankenkassen.
Vielleicht liegt es auch an uns Osteopathen, hier aktiver zu werden und bessere Rahmenbedingungen auszuhandeln, etwa mit Unfallversicherungen. Dadurch könnte der Zugang erleichtert werden, sodass Breitensportler frühzeitig Betreuung in Anspruch nehmen, anstatt Beschwerden lange zu ignorieren. Dies würde nicht nur die Verletzungsrate senken, sondern auch langwierige Nachbehandlungen vermeiden.


Was erwarten diese Sportler von der Sport Osteopathie?

Wenn man mit Sportlern arbeitet, sollte man eine echte Begeisterung für den Sport mitbringen. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass insbesondere im Spitzensport eine grosse Verantwortung damit verbunden ist. Die Arbeit endet nicht einfach um 17 Uhr – es kann gut sein, dass man auch an Wochenenden oder an freien Tagen im Einsatz ist, um einen Athleten zu betreuen.
Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Nur wenn verschiedene Fachrichtungen eng kooperieren, kann ein Sportler sein volles körperliches Potenzial ausschöpfen. Gerade im Spitzensport ist es selbstverständlich, dass unterschiedliche therapeutische Disziplinen eingebunden werden, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten.
Im Umgang mit den Sportlern ist zudem ein breites Wissen gefragt – sowohl in Anatomie und Behandlungstechniken als auch auf menschlicher Ebene. Dieses Wissen sollten wir verständlich und transparent vermitteln können: Was sind die nächsten Schritte in der Rehabilitation? Warum setzen wir bestimmte Maßnahmen ein? Eine klare Kommunikation schafft Vertrauen und hilft dem Sportler, den Prozess aktiv mitzutragen.


Was können Sie erwarten?

Von meinen Sportlern – insbesondere von Spitzensportlern – erwarte ich ein hohes Mass an Selbstverantwortung. Dazu gehört, dass sie offen und ehrlich mit mir kommunizieren, sowohl über ihre Beschwerden als auch über andere Therapien, die sie parallel in Anspruch nehmen. Wichtig ist mir ausserdem, dass sie aktiv in der Therapie mitdenken und ihre Wahrnehmungen klar
rückmelden: Was spüren sie? Verbessert sich etwas, bleibt es gleich oder verschlechtert es sich? Diese Rückmeldungen sind entscheidend für den weiteren Verlauf der Behandlung.


Möchten Sie auf eine Frage antworten, die ich nicht gestellt habe?

Ich denke, da ist schon einiges zusammengekommen – sollte gut reichen für einen coolen Bericht.


Und abschliessend:
Der Schweizerische Osteopathieverband baut gerade eine Community of Practice (CoP) Osteopathie & Sport auf. Wie es uns Ihre Kollegin Karin Huber erklärt hat, ist das Ziel dieser CoP unter anderem Innovation zu fördern und fachlichen Austausch zu ermöglichen. Was bedeutet das in Ihrem Bereich?

Aktuell arbeitet ein Team von sieben Osteopath:innen aus der Deutschschweiz zusammen mit Kolleg:innen aus der Romandie daran, eine COP-Gruppe aufzubauen – inklusive einer fundierten Weiterbildung, die wir gerade entwickeln.
Das Ziel ist, in den nächsten Jahren eine Ausbildung zum Sport Osteopath:in anzubieten, die qualitativ stark ist und sowohl vom Berufsverband als auch von Sportverbänden anerkannt wird. So möchten wir langfristig besser in diese Strukturen eingebunden sein und Sportler noch gezielter betreuen können.
Geplant ist ein breiter Sportlehrgang, in dem auch eine Spezialisierung im Spitzensport möglich ist. Gleichzeitig sehen wir das Ganze als tolle Initiative für den fachlichen Austausch: voneinander lernen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen. Gerade auch dann, wenn man selbst mal ausgelastet ist, ist es wertvoll, auf ein Netzwerk von gut ausgebildeten Kollegen zurückgreifen zu können.


Interview: Caroline Brennecke Traductions & Rédactions / April 2026

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